Wärme oder Kälte – was mögen verklebte Faszien wirklich?

Was hilft denn nun bei verklebten, schmerzenden Faszien – Wärme oder Kälte?

Du hast sicher schon festgestellt, dass du mindestens 3 verschiedene Antworten dazu bekommst, wenn du 2 Leute fragst.

Und auch die eigene Recherche im Netz bringt in wenigen Minuten ganz offensichtliche Widersprüche zum Vorschein.

Im Folgenden möchten wir etwas Licht ins Dunkel bringen zu der Frage, wann du deine Faszien kühlen und wann wärmen solltest.

Warm oder kalt? Es kommt ganz darauf an

So gern wir das auch hätten: die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Stattdessen gilt auch hier „es kommt darauf an“.

Das ist im Übrigen sicher auch der Grund dafür, dass sich selbst Experten nicht abschließend einig sind, welche Behandlungsmethode im welchem Fall „die richtige“ ist.

Insbesondere in der traditionellen chinesischen Medizin und Ayurveda unterscheiden sich die Herangehensweisen teilweise deutlich von denen der westlichen Medizin.

Die Sichtweisen in der TCM & Ayurveda unterscheiden sich teils deutlich von denen im Westen (Foto: Katherine Hanlon)

Um dir nur einmal ein ganz konkretes Beispiel zur Verdeutlichung des „es kommt darauf an“ zu geben:

Fieber. Warm oder Kalt?

Bei sehr hohem Fieber, alten oder generell schon schwachen Menschen wird von den meisten empfohlen, die Körpertemperatur zu reduzieren oder zumindest nach oben zu begrenzen. Also: Kälte.

Auf der anderen Seite gibt es viele Befürworter die sagen, den Körper ruhig aktiv durch Wärmezufuhr in dem zu unterstützen, was er sowieso schon tut (heizen). Demnach wird generell gesunden Menschen bei moderatem Fieber empfohlen, durch heiße Tees oder Bäder mit Wärme nachzuhelfen. Also: Wärme.

Du siehst also: ein Fall (Fieber), zwei völlig verschiedene Empfehlungen – es kommt eben darauf an. Auf die Person, die generellen Umstände, und die Sichtweise auf die Thematik (westliche Sichtweise oder traditionelle, asiatische Medizin).

Wer will jetzt schon sagen, eines sei „richtiger“ als das andere?

Was ist mit der Faustregel?

Du hast sicher schon die Faustregel gehört: Akute Verletzungen sollten gekühlt, chronische Beschwerden gewärmt werden.

Faustregel besagt: akute Verletzungen sollten gekühlt werden

Solltest du deine Faszien nun also mit Kälte oder Wärme behandeln?

Wenn du darauf irgendwo eine pauschale Antwort hörst oder liest, sollte dich das zunächst stutzig machen.

Denn ohne deine ganz spezifische Situation und genaueren Umstände zu kennen, lässt sich keine seriöse allgemeine Antwort geben.

Warum?

Weil Wärme und Kälte völlig andere Auswirkungen auf unseren Körper haben.

Beide können sehr zielgerichtet eingesetzt werden – dazu muss man aber wissen, was sie bewirken und was erreicht werden soll.

Falsch oder unbedacht angewendet kannst du schnell auch das Gegenteil erreichen und unter Umständen deine Beschwerden verschlimmern.

Wie Wärme wirkt

Grundsätzlich führt Wärme zu einer Ausdehnung und Entspannung des Gewebes. Dies führt zu einer erhöhten Durchblutung des erwärmtes Bereiches.

Hitze befeuert alle Vorgänge im Körper (Foto: Tim Bish)

Durch die verbesserte Blutversorgung kommt es zu einer besseren Nährstoffversorgung des Gewebes. Denn letztendlich ist es ja das Blut, was diese Nährstoffe und den Sauerstoff transportiert.

Auch der Abtransport von Stoffwechselprodukten aus den Zellen wird so gefördert und verbessert.

Aber nicht nur die Blut-, sondern auch die Lymphbahnen erweitern sich, wodurch die Lymphflüssigkeit besser zirkulieren kann.

Da Lymphe eine entscheidende Rolle für das Immunsystem spielt, kommen so mehr und schneller Abwehrstoffe zum Gewebe.

Krankheitserreger und Fremdkörper können dadurch vom körpereigenen Abwehrsystem besser erreicht und bekämpft werden.

Generell sieht es für Forscher stark danach aus, dass die Produktion von Abwehrstoffen und Hormonen durch Wärme angekurbelt wird.

Anders ausgedrückt: Wärme wirkt aktivierend auf den Körper. Alle Prozesse laufen verstärkt, besser, schneller ab – sozusagen auf Hochtouren.

Anwendungsbereiche Wärme

Aufgrund der verbesserten Stoffwechseltätigkeit wird Wärme gerne dann angewendet, wenn der Körper in seiner natürlichen Tätigkeit unterstützt werden soll.

Denn letztendlich bringt die Wärme selbst ja dem Körper nichts „von außen“ hinzu, was er nicht ohnehin schon hätte (anders als Medikamente beispielsweise).

Ein warmes Bad kann sowohl die Seele als auch Muskeln entspannen (Foto: Bruce Mars)

Von daher kann es hilfreich sein, Wärmebehandlungen als temporäre, gezielte Unterstützung der Körperaktivitäten zu verstehen.

Wenn also beispielsweise bestimmte Muskelbereiche über lange Zeit verspannt sind und deswegen deren Durchblutung und Versorgung eingeschränkt ist, kann eine gezielte Wärmebehandlung effektiv für Linderung der Schmerzen sorgen.

Durch den ausdehnenden Effekt der Wärme entspannt sich das Gewebe und kann so wieder normal versorgt werden.

Schon länger bestehende Verspannungen in Nacken, Schulter und Rücken können also durchaus sehr gut mit Wärme behandelt werden.

Idealerweise nicht für sich alleine ausschließlich mit Wärme, sondern ganzheitlich im Rahmen eines umfassenden Faszientrainings.

Nur so stellst du sicher, dass du nicht nur die Symptome (z.B. die Rückenschmerzen), sondern die Ursache deiner Faszienverklebungen abstellst.

Kälte nur bei akuten Verletzungen? Ein Irrglaube

Kälte bewirkt – wenig überraschend – zunächst genau das Gegenteil einer Wärmebehandlung. Wie eben gesehen, beschleunigt und fördert Wärme alle Prozesse des Körpers.

Kälte hingegen verlangsamt alle physiologischen Abläufe – und lässt sie im Extremfall sogar wortwörtlich einfrieren (z.B. bei Fehlanwendungen von Eis oder Kältespray).

Die Abläufe des Körpers gezielt zu unterstützen oder zu verlangsamen ist an sich erstmal weder gut noch schlecht – es kommt darauf an, was man erreichen möchte.

akute Verletzungen werden in aller Regel sofort gekühlt (Foto: Ben Hershey)

Angenommen, du hast dir soeben einen Muskelfaserriss zugezogen. Eine sofortige Kältebehandlung verengt die Gefäße und verhindert so, dass übermäßig Blut und Lymphe in das umliegende Gewebe strömt.

Dadurch lässt sich effektiv eine starke Schwellung verhindern, die einerseits schmerzhaft ist und andererseits wiederum selbst umliegendes Gewebe einengt.

Dieses Beispiel ist das klassische Exempel, dass Kälte bestens für akute Verletzungen geeignet ist. Auch in anderen akuten Fällen – wie zur Fiebersenkung oder bei akuten Kopfschmerzen – kann Kälte schnell und effektiv Linderung schaffen.

Nur solltest du wissen: es ist nicht sinnvoll, die natürlichen Funktionen und Abläufe des Körpers länger als nötig künstlich (z.B. durch Kältezufuhr) einzuschränken.

Mit anderen Worten: Nachdem der direkte Schaden und Schmerz durch die Verhinderung einer übermäßigen Schwellung vermieden wurde, sollte in der Regel nicht weiter gekühlt werden.

Im Gegenteil – es kann durchaus sinnvoll sein, die anschließende Regeneration durch gezielte Förderung der Durchblutung zu unterstützen – obwohl anfangs Kühlung das Richtige war.

Ein weiterer Aspekt sind Entzündungen – sie sind letztendlich eine Reaktion des Körpers, um eine Heilung herbeizuführen.

Selbst wenn der Schmerz bei chronischen Entzündungen durch Kälte gelindert werden kann, so ist es oft nur ein Unterdrücken des zugrunde liegenden Problemes.

Dies soll nicht heißen, dass alle Entzündungen in jedem Fall immer mit Wärme behandelt werden sollen – obwohl das in Einzelfällen tatsächlich der Fall sein kann.

Sondern lediglich, dass die dauerhafte Unterdrückung des Schmerzes durch Kälte – sozusagen temporäres Einfrieren der Symptome – nicht unbedingt der beste Weg ist.

Kälte kann auch die Durchblutung fördern

Auf der anderen Seite kann Kälte auch ganz bewusst zur Förderung der Durchblutung, Gesundheit und unseres Wohlbefindens eingesetzt werden.

Die Sauna ist bekanntermaßen sehr gesund

Das hört sich erst einmal widersprüchlich an – Kälte und Durchblutungsförderung – macht das nicht Wärme?

Doch nachdem der Kältereiz nachlässt, strömt das Blut verstärkt in die Bereiche zurück, aus denen es sich vorher zurückgezogen hatte.

Diesen Effekt machen sich Menschen schon seit langem bei Saunagängen, Wechselduschen und Wechselbädern, Kneipp-Kuren und Kältekammern zu nutze.

Bei den Kältekammern beispielsweise begeben sich Menschen ähnlich wie in einer Sauna leicht bekleidet in einen Raum – allerdings ist dieser auf frostige minus 100°C temperiert.

wer könnte hier einer gesunden, kalten Dusche widerstehen? (Foto: Jorge Fernandez)

Bei all diesen und ähnlichen Verfahren wird darauf abgezielt, durch einen gezielten, wechselnden Temperaturreiz die Funktionen des Körpers anzuregen und zu unterstützen.

Das ist nachweislich förderlich für die Gesundheit und unser allgemeines Wohlbefinden – auch ohne akute oder chronische Beschwerden.

Deshalb genießen ja so viele gesunde Menschen den regelmäßigen Gang in die Sauna oder die morgendliche Wechseldusche.

Wie du siehst, kann also auch Kälte – insbesondere im Wechsel mit Wärme – ganz gezielt zur Durchblutungsförderung und Steigerung unseres Wohlbefindens eingesetzt werden.

Fazit – Wärme oder Kälte zur Faszienbehandlung?

Grundsätzlich kannst du dich zunächst an der bekannten Faustregel orientieren: „Kälte bei akuten Verletzungen, Schwellungen und Schmerzen – Wärme bei chronischen Beschwerden“.

Wärme kann Faszientraining effektiv unterstützen (Foto: David Hofmann)

Insofern ist es sehr wahrscheinlich, dass du mit Wärme, Faszienmassage und generellem ganzheitlichem Faszientraining deinen Faszien etwas Gutes tust und deine Beschwerden lindern wirst.

Doch wie du gesehen hast, gibt es auch zu dieser Regel zahlreiche Ausnahmen und sogar auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinende Empfehlungen.

Deshalb erscheinen folgende Empfehlungen als noch viel wichtiger:

  1. Ziehe insbesondere bei akuten Verletzungen, starken Beschwerden und in Zweifelsfällen einen Arzt oder Orthopäden zu Rate.
  2. Taste dich in allen anderen Fällen langsam und behutsam an Wärme & Kältebehandlungen heran. Beobachte aufmerksam, was deinem Körper gut tut, was sich richtig anfühlt und was langfristig Linderung bringt.

Das ist viel wichtiger als stumpf irgendwelchen starren Regeln zu folgen.

Gerade unserer Intuition und der Rückmeldung unseres Körpers ist es zu verdanken, dass wohl niemand eine akute Verletzung mit Wärme behandeln würde – das fühlt sich einfach nicht richtig an.

Die gleiche Verletzung könnte aber durchaus sehr wohl – nachdem die akute Schwellung zunächst gekühlt und nun abgeklungen ist – wenige Tage später mit Wärme behandelt werden, um die Regeneration zu unterstützen.

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