Sind Faszien durchblutet? (Was du wissen solltest)

Ann-Katrin Graß

Faszien und Bindegewebe werden in den Medien immer wieder als besonders geheimnisvoll und mystisch dargestellt [1].

Tatsächlich sind sie das zeitgleich trennende und verbindende Glied aller Elemente unseres Körpers [2].

Therapie und Training sollen helfen, den Stoffwechsel im Fasziengewebe anzuregen [3], Massagen regen bekanntlich die Durchblutung an [4].

Aber sind Faszien überhaupt durchblutet?

Bindegewebe oder Faszien?

Häufig werden die Begriffe „Bindegewebe“ und „Faszien“ gleichermaßen verwendet.

Hierzu existieren verschiedene Auffassungen, da die Faszien eine Unterkategorie des Bindegewebes als Überkategorie bilden [5].

Daher ist die Frage, ob Faszien durchblutet sind, gar nicht so einfach zu beantworten.

Aktuelle Verwendung des Faszienbegriffs

Mittlerweile betrachten Faszienforscher das gesamte Bindegewebe als ein eigenes Organ [6], das sowohl allgemeine als auch spezifische Aufgaben hat.

Jedoch gilt das sicherlich nicht für alle Therapeuten und Ärzte: Sie fassen unter Bindegewebe auch Blut, Knochen und weitere Gewebsarten zusammen.

So betrachten sie nur bestimmte Teile des muskulären Bindegewebes als Faszien. Ob sich also Blutgefäße in den Faszien finden, hängt davon ab, was man als „Faszie“ definiert.

Nach dem modernen Faszienbegriff fällt das gesamte Bindegewebe darunter, weshalb man in diesem Falle zumindest davon sprechen kann, dass sich Blutgefäße im Gewebe finden.

Arten von Bindegewebe

Jede Art von Bindegewebe hat verschiedene Aufgaben [7]. Es lassen sich folgende Typen unterscheiden:

  • Lockeres & faseriges Bindegewebe
  • Elastisches Bindegewebe
  • Parallelfaseriges & straffes Bindegewebe
  • Unregelmäßiges Bindegewebe

Lockeres bzw. faseriges Bindegewebe beherbergt Blutgefäße und Nervenzellen.

Elastisches Bindegewebe findet man stattdessen in Organen, die viel gedehnt werden, so auch in der Aorta.

Es ist also nicht so, dass die Faszien zwangsläufig direkt durchblutet werden – sie bilden viel mehr eine Schutzhülle um die Blutgefäße.

Aber es gibt Bindegewebe, das durchblutet wird. Zum Beispiel betrifft das die Sehnen. Im Vergleich zu Muskeln sind diese allerdings wesentlich schwächer durchblutet [8].

Die Faszien und das Blut

In jedem Falle gehören Faszien zu den Teilen des Körpers, die relativ schwach durchblutet sind.

Vielleicht fragst du dich jetzt, was das bedeutet. Wir alle kennen unser Blut und wissen, dass es für unser Leben wichtig ist.

Aber was macht das Blutsystem genau und welche Auswirkungen hat eine schwache Durchblutung des Bindegewebes?

Das Blutsystem und seine Aufgaben

Das Blut bringt als Transportsystem lebenswichtige Nährstoffe sowie Sauerstoff zu unseren Organen [9]. Zudem wird auch Körperwärme gleichmäßig im Körper verteilt [10].

Es trägt somit wesentlich zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur und hält alle lebenswichtigen Organe konstant bei ca. 37 Grad [11].

Weniger Durchblutung kann also auch zu einer geringeren Temperatur führen. Ein Wärmeentzug führt daher dazu, dass sich der Stoffwechsel verlangsamt, die Nervenleitgeschwindigkeit geringer wird und das Bindegewebe steifer wird [12].

Kalte Faszien

Kälte löst Fett, aber strafft nicht das Bindegewebe [13]. Außerdem bedeuten ein angeregter Stoffwechsel und Bewegung „Leben“ [14].

Faszien können ohne Durchblutung daher sehr stoffwechselinaktiv sein. Vermutlich ist das der Grund, warum Bindegewebe im Vergleich mit der Muskulatur wesentlich länger braucht, um sich an Belastungen anzupassen [15].

Stoffwechsel der Faszien

Wenn Faszien also nicht so gut durchblutet werden – sind sie dann tot? Nein!

Denn heute weiß man, dass sie nicht einfach unbelebtes „Verpackungsmaterial“ für die restlichen Organe sind [16].

Sie reagieren nur einfach langsamer, dafür aber nachhaltiger. Auch Faszien wollen mit Nährstoffen versorgt werden!

Wie funktioniert der Stoffwechsel in der Faszie?

Für uns Menschen stehen grundsätzlich mindestens zwei Energiequellen zur Verfügung: Atemenergie und Nahrungsenergie [17].

Faszien bestehen überwiegend aus Kollagenfasern [18], die hinsichtlich ihrer Funktion mit einem Schwamm verglichen werden können. Denn die Fasern bilden eine Art Netz, welches mit Körperflüssigkeit gefüllt ist.

Hierin enthalten: Zahlreiche Mineral- und Nährstoffe. Die Körperflüssigkeit wird allerdings nicht wie das Blut mit Hilfe des Herzens durch das Gewebe transportiert – die Faszien sind zur Nährstoffversorgung auf Bewegung angewiesen.

Wie lässt sich der Stoffwechsel in der Faszie anregen?

Jede Art von (gesunder) Bewegung ist schon einmal gut für die Faszien. Sie umgeben alle Muskeln und Organe, sodass sie automatisch mitbewegt werden.

Entscheidend ist ein stetiges Wechselspiel zwischen Be- und Entlas­tung, um den Austausch der Flüssigkeiten im Bindegewebe zu gewährleisten [19].

Faszien gelten als eine seit langem vernachlässigte Struktur, die beim regelmäßigen Training weit mehr Aufmerksamkeit verdient – hier helfen gezielte Trainingsformen und Massagen mit Faszienrollen.

Durchblutung, Stoffwechsel und Faszientraining

Eine angeregte Durchblutung trägt wesentlich zur Stabilität und Elastizität der Faszien bei [20], auch wenn die Faszie selbst nicht stark durchblutet wird.

Ebenso gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Stoffwechsel des Bindegewebes gezielt zu aktivieren.

Warum ist der Stoffwechsel der Faszie so wichtig?

Die Faszien können nur mit optimaler Nährstoffversorgung ihre wichtigen Aufgaben erfüllen.

Sie sind Kraftüberträger bei Bewegungen und regulieren unsere Körperform, weshalb man sie auch Organ der Form nennt [21].

Außerdem schwimmen in der Körperflüssigkeit des Bindegewebes auch zahlreiche Lymph- und Immunzellen [22] – somit sind die Faszien Bestandteil unseres Immunsystems. Auch Nerven durchlaufen das Bindegewebe [23].

Stoffwechselstörungen der Faszien

Bewegung ist gesund – das weißt du bestimmt. Weil die Faszien nur indirekt mit Blut versorgt werden, sind sie besonders darauf angewiesen, dass du einen aktiven Lebensstil pflegst.

Wenn du dich häufig einseitig belastest und viel Zeit im Sitzen verbringst, schädigst du damit die Stoffwechselvorgänge in deinem Bindegewebe.

Stoffwechselstörungen als häufiger Auslöser von Schmerzen und Verklebungen

Kleine Stoffwechselstörungen im Bindegewebe werden oft als Auslöser von Schmerzen angesehen [24]

Leiden deine Faszien unter einem speziellen Calcium- und Phosphatmangel oder ist deren Regulation gestört, kann es zu Verkalkungen im Gewebe kommen [25].

Nur ein dynamischer Austausch zwischen Organzellen und ihrer Umgebung gewährleistet eine gesunde Organfunktion [26]. Wenn die Zirkulation im Bindegewebe gestört ist, können sich verschiedene Krankheitsbilder entwickeln.

Ein bewegungsarmer Lebensstil kann ebenso Faszienverklebungen auslösen [27], was wiederum zu Schmerzen und Verspannungen im Muskelgewebe führt.

Was geschieht beim Faszientraining?

Damit die faserigen Strukturen bis ins hohe Alter geschmeidig bleiben, musst du ein wenig Zeit und Mühe investieren [28]. Wie Muskeln wollen auch sie trainiert werden.

Bei kräftigem Training wird die Durchblutung stark angeregt, wodurch das Gewebe um die Blutgefäße herum mit Flüssigkeit versorgt wird [29].

Das gilt natürlich auch für die Faszien, weshalb eine direkte Durchblutung nicht notwendig ist, um von ihr profitieren zu können.

Faszientraining und Selbstmassage (z.B. mit Hilfe einer Faszienrolle) setzen bei der Körperflüssigkeit im Bindegewebe an.

Die Wirkung besteht darin, das Gewebe mechanisch Auszupressen und so das gebundene Wasser auszutauschen [30].

Fazit

Faszien sind zwar nur sehr schwach durchblutet, trotzdem stellen sie noch lange kein totes Gewebe dar.

Sie erfüllen viele lebenswichtige Funktionen, warum du auch in Bezug auf dein Bindegewebe auf einen gesunden Stoffwechsel achten solltest.

Bewegung ist Leben, das ist auch bei den Faszien nicht anders. Um gezielt dein Bindegewebe anzusprechen, gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Faszientraining.

Zum Beispiel soll die Selbstmassage mit einer Faszienrolle den Stoffwechsel der Kollagenfasern gezielt anregen.

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