Wie lange heilen Faszien? 8 häufige Fragen (beantwortet)

Wie lange heilen Faszien? 8 häufige Fragen (beantwortet)

Die Faszienheilung ist oft ein langwieriger Prozess, da das Gewebe einen vergleichsweise behäbigen Stoffwechsel aufweist.

Je nach betroffener Region kann die Erholung zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten dauern.

Zur optimalen Regeneration ist es wichtig zu wissen, wann Faszien und Bindegewebe Ruhe benötigen – und wann sie dringend Bewegung brauchen – um so schnell wie möglich wieder gesund zu werden.

1. Können sich Faszien regenerieren?

Faszien weisen ein bemerkenswertes Regenerationsvermögen auf, auch wenn es oft nicht so scheint.

Bis das Gewebe nach einer Verletzung oder Überbelastung wieder wie gewohnt arbeitet, braucht es Zeit und viel Geduld.

Das gilt sowohl für die Wundheilung als auch die Erholung nach dem Training.

Jede Gewebeart in unserem Körper ist unterschiedlich zusammengesetzt und hat deswegen seine Eigenarten hinsichtlich der dort ablaufenden Stoffwechselprozesse.

Idealerweise sorgst du beim regelmäßigen Training dafür, dass deine Faszien gar nicht erst übermäßig beansprucht werden.

Denn während es für den Muskelaufbau absolut erwünscht ist, mikroskopisch kleine Schädigungen im Gewebe hervorzurufen [9], gilt dies nicht für deine Faszien.

Die Stoffwechselprozesse in der Muskulatur laufen in der Regel hypertroph („vergrößert, vermehrt“) ab [14].

Das Bindegewebe, woraus auch Faszien bestehen, weist dagegen eine konstante Zahl an Zellen auf und ist bradytroph (bedeutet so viel wie „langsame Ernährung“) [12].

Faszien sind also ein sehr passiv versorgtes Gewebe und brauchen die Bewegung umliegender Strukturen, damit der Stoffwechsel optimal ablaufen kann.

Wenn Zellen geschädigt werden, ist das Gewebe auf die Hilfe von außen angewiesen und muss seine Strukturen erst wieder mühselig aufbauen.

2. Warum ist es wichtig, Faszien ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben?

Wenn Mikroverletzungen nicht ausheilen und Faszien sich nicht ausreichend regenerieren können, reagiert das Gewebe häufig mit Entzündungsreaktionen.

So können Schmerzen chronisch werden, Sehnenansätze verkalken oder sogar Rupturen (Risse) auftreten.

Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Achillessehnenruptur.

Die Ursache für diesen schmerzhaften Riss ist nur ganz selten auf Einwirkungen von außen zurückzuführen, häufig sind Vorschädigungen und dauerhafte Überbelastungen die Ursache [10].

3. Wie schnell regenerieren sich Faszien?

Die Faszien brauchen im Schnitt doppelt so lange wie Muskeln, um nach einer Schädigung wieder in Form zu kommen [1].

Idealerweise werden sie beim regelmäßigen Training aber gar nicht überbelastet.

Unter idealen Bedingungen sollte es also ausreichend sein, die Erholungsphasen der Muskulatur zu nutzen.

Die Wissenschaft hat sich bisher stärker mit dem Verhalten nach einer Verletzung als der optimalen Trainingsplanung der Faszien beschäftigt.

Daher ist das Wissen hierzu noch eingeschränkt. Oft wird behauptet, dass Faszien eigentlich gar keine „richtigen“ Erholungsphasen nach dem Training benötigen.

Dennoch sollte das Training der Muskeln und Faszien sorgsam aufeinander angepasst werden [3].

Bei einer Entzündungsreaktion werden Sehnen und Bänder nämlich ganz schnell zum limitierenden Faktor für den Trainingserfolg.

Liegt eine Überbelastung vor, werden oft nur vage Empfehlungen zur Erholung gegeben.

So soll man einer gereizten Sehne zwischen drei und sechs Wochen Ruhe gönnen.

4. Wie lange dauert die Heilung von Faszien nach einer Verletzung?

Nach einer Verletzung wirken unzählig viele Faktoren, sodass die Heilung mehrere Monate bis ein Jahr dauern kann.

Neben dem Ort und dem Ausmaß der Schädigung sind auch das Alter und der Lebensstil entscheidend.

So wird die Regeneration der Faszien u.a. von der Ernährung, dem Konsum von Tabak und Alkohol oder der Einnahme von Medikamenten beeinflusst [4, 7].

Wie viel Ruhe eine Faszie braucht, hängt außerdem von ihrer Funktion ab.

Bei einer Verletzung ist es selten so, dass nur eine bestimmte Gewebeart betroffen ist.

Nach einem Muskelriss haben Betroffene häufig länger mit der Faszienschädigung als der Beeinträchtigung des Muskels selbst zu kämpfen.

Die individuelle Heilungsdauer kann entsprechend stark variieren.

In der Therapie versucht man daher mit Hilfe des Wissens um die Wundheilungsphasen diese abzuschätzen.

5. Welche Wundheilungsphasen durchläuft eine verletzte Faszie?

Je nach Literatur werden drei bis vier Wundheilungsphasen angegeben.

Sie geben Aufschluss darüber, was im Gewebe passiert, und wie lange es dauert, bis bestimmte Belastungen wieder möglich sind.

Am Anfang steht immer die (1.) Entzündungsphase, die sich über fünf bis vierzehn Tage erstreckt [4][8].

In diesem Zeitraum ist der Körper damit beschäftigt, den Stoffwechsel in der betroffenen Region anzuregen.

Es werden Nähr- und Aufbaustoffe in den verletzten Bereich transportiert. Während dieser Zeit sollte das Gewebe in Ruhe gelassen und entlastet werden.

In den nachfolgenden Phasen der (2.) Reparatur bzw. (3.) Proliferation vermehren sich Zellen des Bindegewebes [5].

Sie vollstrecken sich bis etwa zum 21. Tag nach einer Verletzung [8], dauern also mehrere Wochen an [4].

In diesem Zeitraum sollten sich neue Kollagenstrukturen gebildet haben, die bis dahin noch recht chaotisch angeordnet sind.

Dieses Provisorium kann zwar noch nicht den gewohnten Belastungen standhalten, sollte aber durch sanfte Bewegung in seiner Heilung unterstützt werden.

Das bis dahin aufgebaute Kollagen ist weniger belastbarer als die endgültige Struktur, woraus eine gesunde Faszie gebildet wird.

Der Körper verarbeitet also während der Wundheilung verschiedene Kollagentypen.

Erst wenn das Provisorium in den „endgültigen“ Kollagentyp umgewandelt wird, ist die Faszie wieder voll einsatzfähig.

Das geschieht in der abschließenden Remodulierungs- bzw. Konsolidierungsphase, die bis zu ein Jahr dauern kann [4, 8].

6. Wie lange dauert die Regeneration von verklebten Faszien?

Verklebte Faszien sind hinsichtlich Heilung und Regeneration gesondert zu betrachten.

Während der Wundheilung können Verklebungen infolge von Narbenbildung ganz natürlich auftreten.

Sie entstehen auch durch Bewegungsmangel oder andere Einschränkungen.

Damit die Faszien eine Verklebung abbauen können, muss sie zunächst gelöst werden.

Das geschieht durch geeignetes Faszientraining oder Massagen. Da Faszien nur wenig durchblutet werden, braucht es hierfür gesundheitsförderliche Bewegung.

Dementsprechend regenerieren sich die Faszien von einer Verklebung durch Aktivität.

Zur genauen Erholungsdauer gibt es leider kaum allgemeingültige Angaben.

Die meisten Betroffenen stellen direkt nach dem Lösen eine Besserung ihrer Beschwerden fest, andere berichten von einer optimalen Regeneration nach etwa zwei bis drei Tagen.

Meistens muss die Prozedur regelmäßig wiederholt werden.

7. Wie oft erneuern sich Faszien?

Der Körper ist ständig mit dem Austausch von Nährstoffen beschäftigt. Zudem werden abgestorbene Zellen durch neue ersetzt.

Diesen Prozess nennt man die physiologische Zellerneuerung [11]. Dieser findet in der Regel während der Ruhephasen, vor allem nachts, statt.

Jede Struktur in unserem Körper besitzt dabei eine andere Erneuerungsrate.

Beispielsweise brauchen die Zellen unseres Verdauungstrakts nur wenige Tage für eine Rundumerneuerung.

Da die Faszien so stoffwechselinaktiv sind, erneuern sie sich über Jahre. Wie oft sie sich genau erneuern, ist Gegenstand der Forschung.

Bisher weiß man, dass die Region eine große Rolle spielt.

Das Kollagen in unseren Knorpeln würde Schätzungen zufolge 117 Jahre für eine vollständige Erneuerung benötigen [13].

Das Kollagen in unserer Haut braucht dafür „nur“ etwa 15 Jahre [13].

Es ist davon auszugehen, dass unsere faszialen Strukturen irgendwo dazwischen liegen.

8. Hört die Regeneration von Faszien im Alter auf?

Im Alter verändern und verlangsamen sich die meisten Stoffwechselprozesse.

Unsere Gene bestimmen darüber, wann sich die ersten Leistungseinschränkungen bemerkbar machen.

Mit zunehmenden Alter können sich unsere Zellen nicht mehr so gut teilen [2].

Manchmal ist sogar der Zelltod selbst vorprogrammiert und somit vorherbestimmt.

Trotzdem kann die Regeneration der Faszien auch noch nach vielen Lebensjahren stattfinden.

Solange noch ein Stoffwechsel stattfindet, können auch Regenerationsprozesse ablaufen.

Für unsere Faszien ist es wichtig, so lange wie möglich körperlich aktiv zu bleiben.

Dafür muss niemand Leistungssport betreiben, ganz im Gegenteil.

Ausgiebiges Strecken und Recken am Morgen, Sitzgymnastik oder Faszientraining mit einem weichen Ball helfen Senioren dabei, ihr Bindegewebe fit zu halten.

Und wie man weiß, stehen die Faszien in einem engen Zusammenhang mit der Nervenfunktion und psychischen Wohlbefinden [6].

Quellen

1. Bannert, A. (2019). Faszien: Training und Therapie gegen Schmerzen. Gesundheitstipps. https://focus-arztsuche.de/magazin/gesundheitstipps/faszien-training-und-therapie-gegen-schmerzen

2. Besdine, R. W. (2019). Veränderungen im Körper beim Älterwerden. https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-bei-%C3%A4lteren-menschen/alterserscheinungen/ver%C3%A4nderungen-im-k%C3%B6rper-beim-%C3%A4lterwerden#v837983_de

3. Bohm, S., Mersmann, F. & Arampatzis, A. (2019). Functional adaptation of connective tissue by training. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 2019(4), 105–110. https://doi.org/10.5960/dzsm.2019.366

4. Cottrell, J. A., Turner, J. C., Arinzeh, T. L. & O’Connor, J. P. (2016). The Biology of Bone and Ligament Healing. Foot and ankle clinics, 21(4), 739–761. https://doi.org/10.1016/j.fcl.2016.07.017

5. curetin. (o.A.). Die Phasen der Wundheilung. https://curetin.de/magazin/die-phasen-der-wundheilung/

6. Grassmann, H. (2019). Die strukturelle Körpertherapie. Trauma – Zeitschrift für Psychotraumatologie und ihre Anwendungen, 17(4), 50–60. https://d1wqtxts1xzle7.cloudfront.net/61633379/Trauma_4-2019_Grassmann20191229-81784-197owqh-with-cover-page-v2.pdf?Expires=1655412617&Signature=alPOmX9dQVn7hNBjO2v1RKGxEHKOaTX-9a7HNay5Z3qEXj~s2n-tVQqXcZCpz79wzRt~92uSq4~2RVqUFUpNfOaxsiF5LG9OWvZbvpH3tupo~Z9GQDDbMIMJmpj3lnppxVmLa2~P~U54bSKJ~QZisyeAQrcQ1l9Pqw1kQ3PjLJ5kVXdKWV5IvUOu2uqMtHL9EyBHSweInpN2PExKLvwUP1GBsrZI37FR5PzBqTcJ1gGtmrJtit4Ieiyhs7VtWSXLhJsyqEoZkyApmFaf~DbLKNKlCEixw~ryUw~bnz0mVeV9OWq1CO9LBDTH4S3PA13DSQd2en~gCLuxs9M1Sjkq1g__&Key-Pair-Id=APKAJLOHF5GGSLRBV4ZA

7. Guo, S. & Dipietro, L. A. (2010). Factors affecting wound healing. Journal of dental research, 89(3), 219–229. https://doi.org/10.1177/0022034509359125

8. Harloff, T. & Harloff, B. (o.A.). Die Heilungsphasen des Bindegewebes. https://www.physiotherapie-harloff.de/die-heilungsphasen-des-bindegewebes/

9. Liu Y, Gampert L, Prokopchuk O, Steinacker JM (2007). Satellitenzellaktivierung beim Krafttraining. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 58(1), 6–11. https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2007/heft01/6-11.pdf

10. Maisenbacher, H., Sigwarth, J., Echle, K. & King, O. (o.A.). Achillessehnenruptur (= Achillessehnenriss). https://www.orthoklinik-rottweil.de/de/Kompetenzen/Sprunggelenk/Achillessehnenruptur

11. MedLexi.de. Zellregenerierung. https://medlexi.de/Zellregenerierung

12. Müller-Ladner, U. & Gay, S. (2006). Stoffwechsel des Bindegewebes. In W. Siegenthaler & H. E. Blum (Hrsg.), Klinische Pathophysiologie. Thieme. https://eref.thieme.de/ebooks/1120274#/ebook_1120274_SL48260347

13. Verzijl, N., DeGroot, J., Thorpe, S. R., Bank, R. A., Shaw, J. N., Lyons, T. J., Bijlsma, J. W., Lafeber, F. P., Baynes, J. W. & TeKoppele, J. M. (2000). Effect of collagen turnover on the accumulation of advanced glycation end products. The Journal of biological chemistry, 275(50), 39027–39031. https://doi.org/10.1074/jbc.m006700200

14. Wackerhage, H., Oesen, S., Hofmann, M. & Tschan, H. (2018). Anpassung an Krafttraining. In N. Bachl, H. Löllgen, H. Tschan, H. Wackerhage & B. Wessner (Hrsg.), Molekulare Sport- und Leistungsphysiologie (S. 305–318). Springer Vienna. https://doi.org/10.1007/978-3-7091-1591-6_12

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