Wann ist Faszientraining nicht geeignet? (Was du wissen musst)

Ann-Katrin Graß

Das Faszientraining wird oft als wahres Allheilmittel bei Rückenschmerzen und Steifheit beworben.

Faszientechniken werden in der Physiotherapie und in Fitnessstudios eingesetzt, wobei sowohl Massagen als auch Training verbreitet sind [1].

Doch kann das Training der Faszien auch Nebenwirkungen haben?

Wenn ja, wer darf es nicht durchführen?

Wann ist Faszientraining nicht geeignet?

Allheilmittel Faszientraining?

Oftmals wird der Hype um das Faszientraining auch stark kritisiert (vgl. [2]). Das Problem ist, dass das Wort „Faszie“ manchmal etwas ungenau verwendet wird.

Unter Faszientraining fällt streng genommen schon das regelmäßige Dehntraining, das du bestimmt noch aus dem Schulsport kennst. Auch hier wird seit Jahren diskutiert, wie sinnvoll es ist [3].

Grundsätzlich gibt es natürlich gar keine Allheilmittel, weil jede Krankheit und jedes Beschwerdebild vollkommen unterschiedlich ist und entsprechend individuell behandelt werden muss.

Außerdem hat das Faszientraining ja auch den Anspruch, Krankheiten zu verhindern – was sich kaum nachvollziehbar beweisen lässt.

Trotzdem kann dir dein Arzt eine Präventionsempfehlung für ein Faszientraining aussprechen, das manchmal sogar von den Krankenkassen bezuschusst wird [4].

Risiken & Nebenwirkungen von Faszientraining

Faszientechniken kannst du natürlich auch selbst anwenden, trotzdem kommen sie ursprünglich aus dem physiotherapeutischen Spektrum, also der Krankengymnastik (KG).

Kennst du den Spruch „KG – Kalt und Grausam“?

In der Therapie geht es nicht immer sanft zu (vgl. [5]). Deswegen ist es generell wichtig, die Behandlung möglichst immer von einem erfahrenen Therapeuten oder Heilpraktiker planen und durchführen zu lassen [6] – das ist natürlich auch bei dem Einsatz von Faszientraining und Faszienmassagen nicht anders.

Grundsätzlich sind folgende Nebenwirkungen und Risiken bei der Anwendung physiotherapeutischer Techniken und Übungen möglich:

  • Muskelkater
  • Blutergüsse
  • Erhöhung des Blutdrucks
  • Entzündungen
  • Beschleunigter Herschlag
  • Erschöpfung & Müdigkeit

Das gilt auch für das Faszientraining, wenn es zur Vorsorge eingesetzt wird.

Diese Nebenwirkungen müssen nicht immer auftreten und sind bei gesunden, jungen Menschen meist auch nicht schlimm.

Wenn du Bedenken hast, solltest du aber in jedem Falle mit deinem Arzt, Therapeuten oder Heilpraktiker reden!

Kontraindikationen: Wann Faszientraining mehr schadet als nutzt

Wie bei allen Sportarten oder Therapieformen gibt es auch für das Faszientraining Krankheiten und Beschwerdebilder, die eine Durchführung verbieten.

Der Arzt spricht dann von sogenannten Kontraindikationen. Das bedeutet nicht, dass das Faszientraining per se schlecht ist – ganz im Gegenteil sprechen Kontraindikationen dafür, dass tatsächlich „etwas im Körper passiert“.

Nur ist eben jedes Krankheitsbild anders und muss besonders beachtet werden. Das Faszientraining gilt, je nach Art und Intensität der Durchführung, als forderndes Training für die bindegewebigen Strukturen.

Deswegen müssen manche Personenkreise aufpassen und ihren Trainingsplan gegebenenfalls anpassen.

Wann du Faszientraining eventuell nicht machen darfst

In Bezug auf Faszientraining und Faszienmassagen ist insbesondere bei folgenden Beschwerden Vorsicht geboten [7]:

  • Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente
  • Her-Kreislauf-Schwäche
  • Hoher Blutdruck
  • Bindegewebs- und Gefäßschwächen
  • Altersbedingte Degenerationen (Abbau/Rückbildung)
  • Neurologische Erkrankungen
  • nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt
  • Akute Entzündungen und Infekte
  • Rheuma und entzündliche Erkrankungen (z.B. bei Kollagenose)

Du solltest also nicht nur bei „schweren“ Krankheiten vorher deinen Arzt um Rat fragen, sondern auch, wenn du gerade unter einer Erkältung leidest.

Man sollte bei einer Infektion der Atemwege generell keinen Sport treiben, da eine Herzmuskelentzündung daraus entstehen kann [8].

Viele wollen daher auf eine „sanftere“ Form des Trainings umsteigen, gerade wenn man sich trotz Infekt noch fit genug fühlt und nicht gänzlich inaktiv im Bett rumliegen möchte.

Hier trügt der Schein: Das Faszientraining mit der Rolle stellt keine geeignete Alternative dar, um trainingsfreie Tage aufgrund einer Erkrankung zu überbrücken. Denn im Fasziengewebe finden sich sehr viele Immunzellen [9].

Beim Rollen werden Körperwasser und Immunzellen aus dem Fasziengewebe gepresst und verteilen sich im ganzen Körper [10] – wenn wir gesund sind, aktivieren wir so unseren Stoffwechsel.

Bei einer akuten Erkrankung dagegen sind die Folgen nicht abschätzbar, denn durch den beschleunigten Stoffwechsel können sich bestehende Beschwerden verstärken.

Gefäßerkrankungen – unklare Studienlage

Gefäßerkrankungen sind eigentlich etwas, das gegen das Faszientraining spricht (also eine sogenannte Kontraindikation).

Aber es gibt auch Studien, die nahelegen, dass das Faszientraining eine positive Wirkung auf deine Blutgefäße hat [11].

Demnach kann man davon ausgehen, dass du das Faszientraining kritisch sehen solltest, wenn du bereits krank oder gefährdet bist – für die Gesundheitsförderung und Vorsorge kann das Training trotzdem sehr gut sein!

Es ist schließlich sehr schwer zu sagen, ob du eine Krankheit aufgrund deines Trainings eben nicht bekommen hast: Ein wichtiger Grund, warum du dich nicht blind auf Studien verlassen kannst.

Wähle eine geeignete Faszienrolle

Das Rollen kann auch eine Belastung für den Körper darstellen. Wenn du gerne auf diese Weise deine Faszien trainieren möchtest, solltest du das beachten.

Forscher haben gemessen, dass beim Rollen über die Wade und den Oberschenkel durchschnittlich 30 Prozent des Körpergewichts auf dieser Stelle lastet [12].

Beim Rücken liegt das Gewicht noch höher. Gerade harte Noppen führen zu Spitzpunktbelastungen, bei dem das Gewicht auf eine sehr geringe Fläche verteilt wird.

Man kann hier Abhilfe schaffen, indem man eine glatte Rolle zur Hand nimmt und auf die Noppen verzichtet.

Wirksamkeit von Faszientraining

Nach wie vor braucht es viel Forschung, um die genaue Wirksamkeit von gezieltem Faszientraining herauszufinden.

Die Mediziner sprechen hier von der sogenannten „Evidenzlage“ – also von dem Vorliegen von Fakten, die für ein Faszientraining sprechen.

Dem Faszientraining mit der Rolle werden positive Effekte auf die Dehnfähigkeit [13], die Beweglichkeit [14] und die Regenerationsfähigkeit nach dem Sport [15] nachgesagt.

Außerdem scheint es vielversprechende Resultate im Bereich der Schmerztherapie zu bringen (vgl. [16]).

Faszientraining richtig durchführen

Das Faszientraining kann helfen, verschiedene Erkrankungen effektiv vorzubeugen. Doch wie bei allem gilt auch hier – nur, wenn das Training korrekt und gesundheitsförderlich durchgeführt wird, bringt es auch was.

Faszientraining ja – aber nicht für jeden

Man sollte auf die Belastungen beim Rollen besonders dann achten, wenn man unter Vorerkrankungen oder Risikofaktoren leidet.

Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Krankheit zu bekommen (z.B. Rauchen als Risikofaktor für Lungenkrebs). Du solltest daher vorsichtig sein, wenn du unter einem der folgenden Dinge leidest:

  • Übergewicht & Adipositas
  • Diabetes
  • Suchtmittelkonsum (z.B. Rauchen und Alkohol)
  • Entzündungen des Bindegewebes
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. hormonelle Veränderungen)

Wenn du dich nicht gesund fühlst und dir unsicher bist, darfst du dich aber auf keinen Fall alleine auf Ratschläge im Internet verlassen!

Sprich mit fachkundigen Personen und hole dir professionellen Rat ein.

Die oben genannten Faktoren verbieten ein Faszientraining nicht automatisch und müssen kein Hindernis für dich darstellen – aber Sicherheit geht immer vor.

Vorsicht bei Krampfadern und Besenreisern

Wenn du schon ein bisschen älter bist oder zu einer Risikogruppe gehörst, solltest du auch auf „Besenreiser“ achten.

Das sind diese kleinen Blutgefäße, die sich oftmals an den Beinen zeigen, und unter der Hautoberfläche gut zu erkennen sind. Dabei handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um unschöne Erweiterungen der Venen, die sich in der Haut befinden.

Knapp 60% der Bevölkerung sind davon betroffen [17]. Viele nutzen das Faszientraining mit der Rolle, um gegen diese unliebsamen Kosmetikprobleme vorzugehen.

Manchmal können die Besenreiser aber auch der erste Hinweis auf einer schwerwiegendere Venenerkrankung sein [18]. Hier kann ein zu intensives Rollen allerdings gefährlich werden!

Dasselbe gilt für Krampfadern. Auch hier muss individuell abgewogen werden. Einerseits ist die sogenannte Kompressionstherapie sehr anerkannt, um die Beschwerden zu lindern und das Herz bei seiner Arbeit zu unterstützen [19].

Das Ziel des Faszienrollens ist es, einen ähnlichen Effekt im Gewebe auszulösen. Du kannst allerdings nicht in deinen Körper hineinschauen und in Krampfadern können gefährliche Gerinnsel lauern.

Lösen sich diese Gerinnsel und wandern in die Lunge, kann das eine lebensbedrohliche Embolie auslösen!

Das gilt aber sicherlich nicht nur für das Faszientraining – jede Art von Sport muss bei Thrombosegefahr sorgsam betreut werden.

Immer Rücksprache halten

Zu Risiken und Nebenwirkungen sind deine ersten Ansprechpartner – wie nun schon oft geschrieben – dein Arzt, Therapeut oder Heilpraktiker.

Auch Trainerinnen und Trainer im Fitnessstudio können dir wertvolle Ratschläge geben. Sie dürfen dich zwar nicht in Bezug auf Krankheiten beraten, aber ihr Erfahrungswissen kann dir helfen, einen erfahrenen Therapeuten oder Heilpraktiker zu finden und dich mit deinem Training gleichermaßen sicher wie wohl zu fühlen.

Wenn die Krankenkassen einen Präventionskurs mit dem Thema Faszientraining in deiner Umgebung anerkannt haben, gibt es sogar die Möglichkeit, sich einen Teil der Kosten für den Kurs erstatten zu lassen [20].

Darüber hinaus ist eine Sache ganz besonders wichtig, wenn es um deine Gesundheit geht: Verlasse dich auf dein Körpergefühl!

Es gibt keine allgemeingültige Definition für deine Gesundheit, deswegen bist du hier selbst der wichtigste Experte.

Wenn sich eine Bewegung nicht gut anfühlt, muss das keinen besonderen Grund haben – aber es kann auch ein Hinweis auf etwas Größeres sein.

Ein gutes Faszientraining muss nicht immer weh tun und es gibt viele Möglichkeiten, dein Training so zu gestalten, dass du dich damit immer wohl fühlst.

Faszientraining richtig lernen

In der Welt von Therapie und Training sind die Faszien mittlerweile ein fester Bestandteil [21].

Dementsprechend gibt es ein breites Angebot an Kursen in Gesundheitseinrichtungen. Hier wird dir gezeigt, wie du vorgehen musst, damit du dein Faszientraining sicher und gesund gestalten kannst.

Außerdem wird individuell auf dich eingegangen, was dir bei bestehenden Krankheiten und Beschwerden helfen kann.

Falls du mehr wissen möchtest: An der Universität in Ulm und an der Technischen Universität in München gibt es eigene Faszienforschungsgruppen mit Spezialisten, die in verschiedenen deutschen Städten ansässig sind [22], [23].

Hier kannst du übrigens auch selbst Fragen stellen oder dich informieren. Ich bin sicher, dass dein Arzt oder Therapeut auch sehr daran interessiert sein wird, wenn er/sie sich mit dem Faszientraining (noch) nicht so gut auskennt.

Deswegen trau dich und sprich auch gerne medizinisches Personal darauf an – du wirst vielleicht unterschiedliche Meinungen dazu hören, aber der rege Austausch über das Thema hilft dir, das richtige Training für dich zu finden.

Fazit

Um die positiven wie negativen Auswirkungen von Faszientraining mit und ohne Rolle richtig einschätzen zu können, braucht es noch sehr viel Forschungsarbeit.

Grundsätzlich eignet sich das Training ohne Einschränkungen für gesunde Personen, die gerne etwas für sich tun und bestimmten Krankheitsbildern (z.B. Rückenschmerzen) vorbeugen möchten.

Wenn du unter Vorerkrankungen leidest oder zu einer Risikogruppe gehörst, solltest du dich mit einer fachkundigen Person austauschen, bevor du startest.

Allerdings braucht man auch keine panische Angst vor einem Faszientraining haben – die Faszien werden bei jeder Art von Bewegung automatisch angesprochen, sodass es immer Möglichkeiten gibt, sein Bindegewebe mit einem Training zu unterstützen.

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